Liebe Frau Wigger, liebe Frau Kretschmer,
sehr gerne berichte ich darüber, wie mein Leben mit Mia, die ich im Sommer 2020 mit geschätzt 6 oder 7 Jahren adoptiert habe, weitergegangen ist. Wenn der Bericht auch nur ein wenig dazu beiträgt, noch mehr nette Menschen zu ermutigen, einen etwas älteren Hund bei sich aufzunehmen, wäre ich froh. Natürlich sind Welpen niedlich und sich für sie zu entscheiden, auch weil man hofft, dass sie noch keine prägenden schlechten Erfahrungen gemacht haben, verstehe ich. Dennoch möchte ich eine Lanze für die älteren Tiere brechen. Auch sie haben nicht nur jede Chance auf ein besseres Leben verdient, sondern schaffen es - von traurigen Ausnahmen abgesehen - auch, diese zu nutzen. Natürlich müssen Hunde, die nie ein echtes Zuhause hatten und noch dazu oft mit einem Rucksack - womöglich schlechter - Erfahrungen einziehen, vieles lernen. Das gilt für Welpen aber ganz genauso, denn Arbeit machen die auch, vielleicht sogar mehr als schon ausgewachsene Hunde. Nachdem ich das losgeworden bin, komme ich zu uns: Mittlerweile lebt Mia gut 5 Jahre bei mir und wir haben uns super „eingegroovt“. Immer noch bin ich wirklich beeindruckt, was sie trotz ihrer Vorgeschichte als Kettenhund alles gelernt hat und wie sie ihr 2. Leben annimmt. Sie ist jeder Alltagssituation außerhalb ihrer vertrauten Umgebung gewachsen, sie begleitet mich im Urlaub, benimmt sich im Restaurant und bei privaten Einladungen, fährt „Öffis“ und geht sogar gerne mit in der Stadt shoppen. Seit gut 1,5 Jahren sind wir zu dritt, da ist eine kleine, jüngere rumänische Hündin (Lilli) eingezogen. Die war ein Angsthund, was mit Mias Hilfe aber gut zu händeln war. Sie hat die Kleine gleich „adoptiert“ und ihr alles gezeigt, auch dass man mir vertrauen kann. Lilli hat sich gut eingelebt, wir 3 Mädels sind ein tolles Team geworden. Mia findet sie glaube ich manchmal nervig, scheint die Gesellschaft aber zu schätzen. Natürlich wird Mia nie der Hund sein, der freudig mit größter Selbstverständlichkeit und Unbefangenheit auf (fremde) Menschen zustürmt, weil er nichts Böses erwartet. Sie nähert sich vorsichtig, auf ihre stille, bescheidene Art und das wird sich meiner Meinung nach nicht mehr ändern. Es hat aber große Vorteile, weil sie niemanden von sich aus belästigen würde. Sie lässt sich von jedem anfassen, der ihr freundlich begegnet und sie streicheln möchte. Auch Kinder, sogar Jungs, sind kein Problem mehr, obwohl es anfangs durchaus Schwierigkeiten gab, da Kettenhunde in ihrem Herkunftsland von Kindern geärgert oder sogar misshandelt, etwa mit Steinen beworfen, werden. Wenn ich meinen Hund nun sehe, wie er sich von meinen sehr netten Nachbarskindern streicheln lässt, geht mir wirklich das Herz auf. Geholfen hat da sicher, dass ich Mia Zeit gelassen und sie nie gezwungen habe, sich anfassen zu lassen, wenn sie signalisierte, dass sie Angst hat oder unsicher ist. Dadurch ist auch ihr Vertrauen zu mir mehr und mehr gewachsen denke ich. Das wäre eh mein Tipp, man sollte Angst oder Unsicherheit ernst nehmen und am Anfang nicht streng sein, „Beziehung vor Erziehung“ würde ich sofort unterschreiben. Damit meine ich nicht, den „armen“ Hund „in Watte zu packen“, sondern ihm durch klare Strukturen und Ruhe Sicherheit zu geben. Wir können das, was unseren Tierschutzhunden passiert ist, nicht ungeschehen machen, ihnen nur ein neues und vor allem schönes Leben schenken. Ich habe Mia am Beginn unserer gemeinsamen Zeit versprochen, dass ihre 2. Lebenshälfte schön wird, und dieses Versprechen halte ich. Man soll Hunde zwar nicht vermenschlichen, aber ich erlebe jeden Tag wie glücklich und dankbar dieser Hund ist. Für meine Liebe, die Zuwendung, das regelmäßige Futter, die gemütlichen, weichen Plätze, die gemeinsam verbrachte Zeit und so weiter. Diese Dankbarkeit zeichnet glaube ich gerade die Hunde aus, die es in ihrem Vorleben schwer hatten.
Liebe Angelika,
heute ist es genau 1 Jahr her, dass du mir Alina gebracht hast. Das feiern wir gerade ein bisschen.
Alina geht es prima, sie wird immer fröhlicher und lebhafter. Auf fast jedem Spaziergang bekomme ich (in Vertretung für sie) Komplimente wie hübsch sie ist.
Letztens fragte mich jemand, wie ich das geschafft hätte, dass mein Hund so an mir orientiert ist (sie läuft eigentlich immer frei). Wir sind ein prima Team, und seit einiger Zeit gibt es sogar eine nette Hundesitterin, zu der sie gerne geht, wenn ich mal zu lange in der Music Hall beschäftigt bin. Und auch dieser Kontakt tut ihr gut.
Ja, das war ein schönes Jahr mit Alina. Sie hat mir sehr gutgetan und umgekehrt auch.
Danke, dass ich sie haben durfte!
Ich hoffe, dir und deinen Hunden geht’s gut.
Liebe Grüße von
Alina und Andreas