Reisebericht 2019

Aufenthalt vom 2. bis 5. August 2019

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Jeder unserer bisherigen Besuche in Rumänien hatte bislang trotz vielem Vertrauten einen anderen Schwerpunkt.

Wenn wir eine Überschrift wählen sollten für unseren diesjährigen Aufenthalt, so würden wir wohl "Welpen und Kettenhunde" schreiben. Zumindest was unsere Besuche im Tierheim des Tierschutzvereins Ador und unsere Fahrt über Land durch Trusesti betrifft. Wenn wir auf das öffentliche Tierheim von Botosani schauen, das drei Teammitglieder während unseres Aufenthalts besucht haben, dann müssten wir vielleicht noch "menschliche Eitelkeiten und politische Wirren" hinzufügen.

Hinter all diesen Überschriften und den damit verbundenen Eindrücken, von denen wir im Folgenden kurz berichten möchten, steht aber immer wieder nur eines: Das Leid und Elend von Hunden, auch und gerade aufgrund fehlender menschlicher Empathie und Güte.

Wie jedes Jahr besuchten wir wieder das Tierheim von Ador, in dem aktuell 110 erwachsene Hunde und 73 Welpen leben.

Zählt man die Welpen von Ms. Florea und die Welpen im Garten von Dana, der ersten Vorsitzenden von Ador, dazu, kommen wir auf über 90 Welpen. Im öffentlichen Tierheim, auf das wir im zweiten Teil dieses Berichts näher eingehen werden, kämpfen derzeit etwa 80 Welpen um ihr Überleben, bei ihnen ist aufgrund der verherrenden Bedingungen die Sterblichkeit besonders hoch.

So viele Welpen haben wir noch in keinem Sommer angetroffen. Überall im Tierheim von Ador, auf allen Gängen, im Vorhof, natürlich in den Zwingern, in dem zur Welpenstation umfunktionierten Krankenzimmer, vor den Toiletten, im Büro, im Lagerraum und der Abstellkammer saßen, lagen, spielten und schliefen Welpen. Überall.

 

Allesamt zutraulich, verschmust, verspielt ahnten sie natürlich nicht, dass es fast eine Unmöglichkeit darstellt, für alle von ihnen ein schönes Zuhause zu finden. Doch was geschieht mit ihnen, wenn sie zu Junghunden heranwachsen? In den Zwingern ist nicht genug Platz, zumal ihre Vermittlungschancen mit jedem Monat im Tierheim sinken. Und es ist kein Ende in Sicht. In der Woche nach unserer Rückkehr aus Rumänien wurden wieder 15 Welpen vor dem Tierheim in Bananenkisten abgestellt.

 

Der folgenden Film gibt einen kleinen Eindruck vom Tierheim des Tierschutzvereins Ador, dem sog. Victoria Shelter:

 

 

Wenn man aus der Stadt Botosani hinaus über die Felder und kleineren Dörfer und Städte fährt, ändert sich das Bild. Hier gibt es viele Straßenhunde und es fallen die vielen Kettenhunde auf, die einen Besitzer haben, von diesem aber oft nicht oder nur selten versorgt werden. Die Kastration dieser Hunde muss erklärtes Ziel jeder Tierschutzarbeit sein.

In Trusesti kümmert sich eine Tierschützerin um diese Kastrationen, spricht mit den Anwohnern und versucht in mühevoller Kleinarbeit, diese zur Kastration ihrer Hunde zu bewegen. Sie behandelt Straßenhunde gegen Parasiten, füttert sie so oft sie kann und fährt regelmäßig auch zu den Kettenhunden, da viele von ihnen ohne das Futter der Tierschützerin kaum überleben würden.

 

Der folgende Film zeigt einige Ausschnitte aus dem Leben der Straßen- und Kettenhunde von Trusesti:

 

 

Gleich zu Beginn unseres Besuches in Botosani wurde uns wieder dramatisch vor Augen geführt, warum es unsere Tierschutzkolleginnen und -kollegen in Rumänien so schwer haben und wie überaus wichtig unsere konstante Unterstützung in allen Bereichen für sie ist. Gleich zur Begrüßung sagten sie:“You will get a big shock when you come to the Public Shelter tomorrow.“ Und das war nicht übertrieben.

Auf Grund von politischen Querelen und wegen des Vertragswechsels der Betreiberfirma waren die Zwinger 3 Tage lang nicht sauber gemacht worden und das Füttern der Hunde, eigentlich Sache der dort angestellten Arbeiter, mussten auch die Tierschützer übernehmen, wenn sie nicht wollten, dass die armen Tiere auch noch hungern mussten. Denn der eigentlich für das Auffanglager zuständige Tierarzt hatte als eine Art Retourkutsche für den Bürgermeister, der ihn aus seinem gemütlichen Büro vertreiben und im Auffanglager ansiedeln wollte, den Arbeitern verboten, ohne gültige Tollwutimpfung zu arbeiten. Da alle Hunde aber gleich bei ihrer Einlieferung eine Tollwutimpfung bekommen und die Arbeiter sich weigerten, sich impfen zu lassen, war das Manöver ziemlich durchsichtig. Die Arbeiter hielten sich auch strikt an die Weisung und öffneten uns nur, als großzügige Geste, die Türen zu den Zwingern und schlossen sie hinter uns wieder. Eine insgesamt wirklich absurde Situation.

 

Da wir wegen des Dauerregens auch keine guten Bilder machen und die Hunde beschreiben konnten, kauften wir erst einmal Hühnerfleisch für die Mütter und ihre Welpen, denn das sei schneller verfüttert als Trockenfutter, erzählten uns Elena und Cristina.

 

 

Dann führte leider kein Weg an einer Säuberungsaktion vorbei und nach Ralucas Devise:“shit out, food in“ kamen wir eigentlich ganz zügig voran.

 

 

Dabei blieb dann Gott sei Dank keine Zeit zu überlegen, ob die Hunde in den jeweiligen Zwingern nun freundlich oder eher aggressiv waren, Eimer voran wagten wir uns in die Zwinger und tatsächlich waren alle so voll Erwartung des Futters, dass sie friedlich blieben. In der Zwischenzeit hatten die Tierschützer aber wohl Fotos von uns bei der Arbeit gemacht und dem Bürgermeister geschickt, sie schrieben dazu, dass Mitglieder eines Vereins aus Deutschland, der das Shelter schon lange regelmäßig mit Futter, Impfungen und vor allem durch Adoptionen unterstütze, nun bei ihrem alljährlichen Besuch völlig verdreckte Zwinger und hungrige Hunde vorfänden und selbst mit Hand anlegen müssten, um die Tiere zu versorgen. Tatsächlich hatten wir ja nicht die weite Reise gemacht, um Zwinger sauber zu machen, sondern um die Hunde kennenzulernen, sie zu fotografieren und dann vorzustellen. Denn für erfolgreiche Vermittlungen ist es immens wichtig, die Hunde gut einschätzen zu können.

Der Protest unserer rumänischen Kolleginnen zeigte Wirkung, vielleicht auch unsere missmutigen Gesichter auf den Fotos, denn am Nachmittag kam der stellvertretende Bürgermeister im feinen Zwirn und mit Dienstwagen samt Fahrer, um sich die Situation anzuschauen.

Und am nächsten Tag war alles besser. Das Wetter war schön, die Arbeiter arbeiteten und wir konnten uns wie geplant um die Hunde kümmern.

Immer wieder ist es erstaunlich, dass auch Rassehunde den Weg ins Auffanglager gehen müssen, so sahen wir einen Husky, eine Labradorhündin, 6 Windhunde (Greyhounds oder Galgos) und natürlich ganz viele Mischlinge.

 

 

Die Tierschützer waren zu Recht sehr stolz darauf, durch rechtzeitige Impfungen und gutes Futter viele der dort geborenen oder abgegebenen Welpen vor den schlimmsten Krankheiten retten zu können, aber das bedeutet natürlich auch, dass es sehr viele Welpen, manche mit Müttern, manche ohne, gibt, die möglichst schnell vermittelt werden sollten, damit sie in der wichtigen Prägephase nicht nur das Auffanglager kennenlernen und dann zu scheuen oder aggressiven Junghunden heranwachsen.

 

 

Einen dieser Welpen, Paul, konnten wir in einer Tasche im Flugzeug mitnehmen und er war ein so aufgeweckter und freundlicher kleiner Kerl, dass uns allen das Herz blutete bei dem Gedanken an die vielen anderen Welpen, die leider nicht das Glück haben würden, rechtzeitig eine liebevolle Familie zu finden.

Und am letzten Tag, wir waren schon fast auf dem Weg zum Flughafen in Iasi, erreichte uns ein Anruf von Cristina. Der Bürgermeister und der Tierarzt hatten wohl eine tätliche Auseinandersetzung und die Polizei wurde gerufen. Fassungslos nahmen wir dieses Verhalten erwachsener Männer zur Kenntnis und mussten einmal wieder unsere Tierschutzkolleginnen bewundern, die mit solchen oder ähnlichen Verhaltensweisen immer wieder konfrontiert werden und trotz vieler Anfeindungen zum Wohl der Hunde weiterarbeiten. Auch wenn unsere Arbeit oft frustrierend ist, so ist sie doch nichts im Vergleich zu dem, was den Tierschützern in Rumänien abverlangt wird, denn von ihnen und ihrer Fähigkeit Geld und Futter zu erbitten, hängt das Leben von ca. 700 Hunden ab.

 

Nachtrag zur Situation im öffentlichen Auffanglager:

Der Tierarzt ist immer noch im Amt, aber nicht mehr für das Auffanglager zuständig. Die Stadtverwaltung hat die Position ausgeschrieben, aber an der Ausschreibung nahm nur eine Tierarztpraxis teil, die war der Stadt zu teuer, also gibt es im Moment keinen zuständigen Tierarzt, was bedeutet, dass Vereine wie wir, die Hunde vermitteln, Pässe, Chips, Kastrationen und die Tierarztrechnungen derzeit selbst bezahlen müssen, obwohl es eigentlich Angelegenheit der Stadt Botosani wäre, diese Kosten zu übernehmen. Was das für die Finanzen der Vereine bedeutet, kann man sich leicht vorstellen.


Wenn Sie die rumänischen Tierschützer bei den dringend notwendigen Kastrationen, beim Kauf von Impfstoffen gerade für die vielen Welpen und dem fortwährend benötigten Parasitenschutz unterstützen möchten, dann würden wir uns sehr über eine Spende mit dem Verwendungszweck "Kastrationen, Impfungen und Parasitenschutz" freuen.

Spendenkonto:

Sparda-Bank West eG,

IBAN: DE67 36060 5910 0013 70553

 

 

 

Bericht: Andrea Brückner-Schoeler und Anni Neuberger

 

 

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